Geografie und Lage Brötzingen – Geologie, Klima und Landschaft
Geologie, Klima und Landschaftsbild im Raum Brötzingen: Von der Buntsandstein- und Muschelkalkstruktur über Verkarstung und Wasserversorgung bis zu Landnutzung und Wäldern auf der ehemaligen Markung.
Inhaltsverzeichnis
Geologie, Klima und Landschaftsbild im Raum Brötzingen
Der nachstehende Text basiert auf der Brötzinger Ortschronik von Karl Ehmann (1980). Alle Angaben entsprechen dem Wissensstand von 1980; für neuere Zahlen zu Flächen oder Nutzung sind weitere Quellen heranzuziehen.
Geologischer Aufbau
Die Buntsandsteinplatte des Nordschwarzwalds ragt im Brötzinger Raum nur gering über die Enz nach Norden hinaus und weicht bald Erzgeröll und den Verwitterungsböden des Muschelkalks. In den Auen der Enz liegt Schwemmland, das den Grenzverlauf zwischen Buntsandstein und Muschelkalk unsichtbar macht. Charakteristisch für die Region ist die Abfolge: mittlerer und oberer Buntsandstein, darauf rote Letten und gelbe Bändertone, Wellendolomit sowie unterer und mittlerer Muschelkalk.
Arlinger, Kaltenberg, Wallberg und Hachel sowie die Hügel nördlich des Wallbergs tragen großflächig gelben, ertragreichen Lößlehm – ein feinkörniger Boden aus staubfeinen Ablagerungen der Nacheiszeit. Etwa 50 bis 100 Meter über der Enztalsohle liegen an diesen Hängen gebleichte Sandsteingerölle; sie stammen von der Urenz und sind rund eine Million Jahre alt, also älter als die heutigen Flusstäler.
Die alte Brötzinger Markung erstreckt sich in Höhen von etwa 260 m bis 380 m über NN. Der Wallberg erreicht durch spätere Aufschüttungen 417,5 m.
Verkarstung und Dolinen
Ein bis zwei Kilometer nordwestlich der Ortsmitte verläuft die Wasserscheide zwischen Enz und Pfinz. Nördlich des Wallbergs zeigen sich typische Karstformen: Das Enzenloch ist ein trichterförmiger Erdfall, in dem Niederschlag versickert und in der Ispringer Kämpfelbachquelle wieder austritt. Etwas nördlich liegt eine größere, amphitheaterartige Doline. Vergleichbare Einbrüche existieren auf der Bauschlotter Ebene. Auslöser ist Verkarstung: Salz- und Gipslagen im mittleren Muschelkalk wurden ausgespült, die Hohlräume brachen ein. Das Dolinengebiet im heutigen Industrieviertel wird über einen Stollen zur Dietlingerstraße hin entwässert.
Gesteine und Mineralien
Im mittleren Muschelkalk, am Mittelsberg und nördlich des Wallbergs, treten Hornstein, Stinkquarz und Bohnerz auf. Bohnerz wurde in der Region früher gewonnen und in Pforzheim im Hammerwerk verhüttet. Tripel diente in der Schmuckindustrie als Poliermittel und wurde bis 1967 abgebaut.
Der blaugraue, harte Hauptmuschelkalk des Wallbergs wurde in mehreren Brüchen als Baum- und Schottermaterial genutzt. Auf dem Börth stand eine Ziegelhütte. Wo das Wellengebirge ansteht, finden sich Muschelbänke mit Lochmuscheln und Seelilien; die Stielglieder der Seelilien heißen im Dialekt „Ührle“.
Gewässer und Hochwasser
Im Enz-Einzugsgebiet der Brötzinger Markung gibt es nur wenige Quellen und Wasserläufe. Am Kaltenberg entspringt der Malschbach (heute verdolt); im Arlinger-Gebiet sind Pfaffenbach, Hühnerbach und ein „Wasserfluß“ überliefert, an der alten württembergischen Grenze der Tiefenbach. Entscheidend für die Versorgung Brötzingens war immer der Stockbrunnen; eine Deichelleitung verband ihn mit den Laufbrunnen und zeitweise mit dem Pforzheimer Schloss- und Marktbrunnen. Die „Lache“ beim Lachenwäldle und Fischweiher in den Weiherwiesen sind nicht mehr vorhanden.
Besonders bei Schneeschmelze kam die Enz mehrfach stark hoch; 1824 und 1851 mit verheerenden Folgen. 1824 sind 4,30 m Pegel und 1300 m³/s Abfluss überliefert, mit großen Mengen an Geröll, Sand und Schwebstoffen. Heute mindern Dämme das Hochwasserrisiko.
Klima
Das Klima ist gemäßigt; es wechseln feuchte atlantische oder mediterrane und trockene kontinentale bis polare Luftmassen. Im Mittel liegen die Jahrestemperatur bei etwa 8,6 °C und die Niederschläge bei 700–800 mm pro m². Häufig wehen Südwest- und Westwinde. Etwa 20–25 Tage im Jahr bringen Schnee, ähnlich viele Tage über 25 °C. Die wärmsten Bereiche sind die Südhänge des Wallbergs. Der schwere Tornado vom 10. Juli 1968 bleibt eine seltene Ausnahme.
Landnutzung und Landwirtschaft
Südlich der Enz prägen im Sandsteingebiet und in der Talaue vor allem Wald und Wiesen das Bild; die lößbedeckten Sonnenhänge nördlich der Enz eigneten sich gut für Ackerbau. Auf den steinigen, trockenen Kuppen dominieren Ödland und Hecken; am Kaltenberg, Mittelsberg und Klapfenhardt wachsen Laubwälder mit Nadelholzbeimischung.
Die Landwirtschaft war bis ins 19. Jahrhundert die wirtschaftliche Basis des Dorfes. Angebaut wurden u. a. Roggen, Dinkel, Hafer, Einkorn, Hirse und Hülsenfrüchte, ab dem 18. Jahrhundert zudem Kartoffeln, Hopfen, Rüben und Klee. Zum Erscheinungszeitpunkt der Chronik (1980) gab es nur noch zwei Vollzeit-Landwirte; für die meisten blieb die Landwirtschaft ein Nebenerwerb.
Weinbau in Brötzingen
Weinberge befanden sich in den Lagen Berg, Kaltenberg, Wartberg, Maihälden sowie Kurze und Lange Steig. Bis 1603 musste ein erheblicher Teil der Brötzinger Markung Zins an Württemberg entrichten.
Schriftlich fassbar wird der Weinbau in Brötzingen seit dem Spätmittelalter. Am Wallberg erstreckten sich von der Grimmig bis in die Maihälden die Reblagen; der Zehntwein kam im Klosterhof an der Kirchenstraße in den Keller, die Kelter in der Kelterstraße dient noch heute zum Keltern. Schlechte Ernten und konkurrierende Weingebiete führten im 19. Jahrhundert zum Ende des Weinbaus. Die früheren Weinberge sind heute mit Obst und Beeren bestanden; in ertragreichen Jahren wird dort weiterhin Most gekeltert.
Wälder auf der ehemaligen Markung Brötzingen
Zum Zeitpunkt der Eingemeindung (1905) belief sich der Brötzinger Wald auf rund 391 Hektar – etwa ein Drittel der Markung. Schon 1776 waren es laut Überlieferung etwa 405 ha. Mitte des 20. Jahrhunderts entfielen auf Klapfenhardt gut 382 ha, auf den Kaltenberg gut 9 ha, auf den kleinen Mittelsberg 1,4 ha, aufs Haselwäldle 1,3 ha und aufs Lachenwäldle 4,2 ha, zusammen etwa 398 ha.
Es handelt sich um einen Mischwald mit starkem Nadelholzanteil: rund 35 % Buche, 5 % Eiche, 50 % Fichte und Tanne, 10 % Forle. Die Wälder stehen überwiegend auf den für Ackerbau ungünstigen, steinigen und trockenen Muschelkalkböden. Flurnamen wie Klapfenhardt (steiniger Wald), Speitelschlag (keilförmiger Hieb), Saufang, Dachsbau oder Kohlplatte verweisen auf Nutzung und Gelände. Neuwald und Speitelschlag bildeten die Abteilung „Müllerskreuz“ an der alten Durlacher Landstraße. In den Langenäckern gibt es Dolinen; eine Mulde beim Eichplatz trägt im Volksmund den Namen „Der G’hängte“ und ist mit einer Sage um einen Brötzinger und Militärdienst verknüpft.
Seit 1661 gab es in Brötzingen einen Waldförster. Früher diente der Wald auch als Weide; Eicheln und Bucheln dienten als Schweinefutter. Heute steht neben der Holznutzung der Wasserhaushalt und die Erholungsfunktion im Vordergrund. Vom Mittelsberg aus startet der Ranntalweg; am Herzengrund, rechts der Dietlingerstraße, beginnt ein Trimm-Dich-Pfad.
Quelle
Karl Ehmann: Die Geschichte des Dorfes BRÖTZINGEN. Stadt Pforzheim (Hrsg.), Herstellung: Stark-Druck, Pforzheim 1980. 191 Seiten, Halbleinen, 245 × 172 mm. – Der vorstehende Text folgt dieser Chronik und spiegelt den Stand von 1980 wider.