Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim – eine der ältesten Berufsschulen Deutschlands

Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim – Geschichte seit 1768

Die Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule in Pforzheim, eine der ältesten Berufsschulen Deutschlands, wurde 1768 gegründet. Von der Zeichenschule zur international anerkannten Institution mit dualer Ausbildung, Werkstattunterricht und gestalterischen Schwerpunkten.

Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule

Die Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule in Pforzheim zählt zu den ältesten Berufsschulen Deutschlands. Sie wurde 1768 gegründet, um die lokale Schmuck- und Uhrenindustrie mit qualifizierten Kräften zu versorgen. Aus einer Zeichenschule entwickelte sie sich zu einer international anerkannten Institution mit dualer Ausbildung, Werkstattunterricht und gestalterischen Elementen.

Gründung und Anfänge 1767–1800

Die Schule entstand 1767/68 auf Initiative des Uhrenfabrikanten François Autran und seiner Partner, die eine Manufaktur im Pforzheimer Waisenhaus erhielten. Markgraf Karl Friedrich von Baden ernannte am 12. September 1768 Melchior Andreas Koessler zum ersten Lehrer für Zeichnen und Emailmalerei.

Ursprünglich diente die Einrichtung der Ergänzung der betrieblichen Ausbildung in Schmuck- und Uhrenherstellung. Trotz anfänglicher Herausforderungen wie Lehrerwechseln und großen Klassengrößen etablierte sie sich als feste Größe. Die internationalen Kontakte der Pforzheimer Industrie prägten die Schule von Anfang an; sie wurde als Standortvorteil beworben.

Entwicklung zur Gewerbe- und Kunstschule 1800–1905

1833/34 wurde die Freihandzeichenschule zur Handwerkerschule und dann zur Gewerbeschule ausgebaut, mit Fokus auf Freihandzeichnen für Schmucklehrlinge. Lehrer wie Philipp Huber (1844–1887) organisierten den Unterricht strukturiert und prägten die Ausbildung nachhaltig.

1877 entstand aus einer Künstlerklasse die eigenständige Kunstgewerbeschule – später ein Vorläufer der Hochschule Pforzheim. Die Gewerbeschule bezog 1892 ein neues Gebäude auf der Enzinsel. 1905 trennte sich die Goldschmiedeschule unter Direktor Rudolf Rücklin (Sohn von Friedrich Rücklin) von der Gewerbeschule und startete mit 1016 Schülern in einer praxisnah auf die Schmuckbranche ausgerichteten Form.

Weltkriege und Neuaufbau 1910–1960

Während des Ersten Weltkriegs und danach wuchs die Schule stark; 1911 wurden über 2300 Schüler gezählt. 1920 führte sie Vollzeitklassen für Goldschmiede und Werkstattunterricht ein und stärkte damit die Verbindung von Theorie und Praxis.

Im Zweiten Weltkrieg wurde sie 1940 in „Staatliche Meisterschule der deutschen Edelmetall- und Schmuckindustrie“ umbenannt. 1945 wurde sie zerstört und ab 1946 in Niefern und Dillstein neu aufgebaut. 1952 fusionierte sie vorübergehend mit der Kunstgewerbeschule zur „Vereinigten Goldschmiede-, Kunst- und Werkschule“. 1960 zog die Schule in den Neubau an der St.-Georgen-Steige.

Moderne Entwicklung seit 1966

1966 erlangte die Schule erneut volle Selbständigkeit. 1973 integrierte sie die Uhrmacherabteilung – mit Wurzeln bis 1768 und Wiederbelebung 1926 bzw. 1952 –, was zum heutigen Namen „Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule“ führte.

1976 folgte die Meisterschule für Goldschmiede; 1988/89 kamen das Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät sowie die Fachschule für Gestaltung hinzu. 2011/12 erweiterte sich das Angebot um Produktdesign.

Heute bietet die Schule duale Ausbildungen, Berufsfachschulen und Weiterbildungen in Schmuck, Design, Oberflächentechnik und Uhren an und genießt internationale Reputation.

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