Rathaus Pforzheim – Vom Barockbau bis zum brutalistischen Neubau
Geschichte des Pforzheimer Rathauses: barockes Rathaus 1700–1891, Neorenaissance-Bau 1895–1945, Nachkriegsprovisorien und Neues Rathaus von 1973 (Kurt Göppert, Brutalismus).
Inhaltsverzeichnis
Rathaus Pforzheim
Das Pforzheimer Rathaus verkörpert die stadtgeschichtlichen Umbrüche durch Kriege, Brände und Modernisierungen über drei Jahrhunderte. Vom barocken Neubau am Marktplatz bis zum brutalistischen Neubau von 1973 spiegelt es soziale und architektonische Entwicklungen wider – bis heute mit Erhaltungsdebatten für die Zukunft.
Barockes Rathaus (1700–1891)
Nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688/89) wurde 1700 unter Markgraf Ludwig Wilhelm ein neues Rathaus am Marktplatz – dem heutigen Leopoldplatz – errichtet: ein schlichter Barockbau mit Fachwerk-Elementen und Uhrturm.
Es diente bis in die Nacht vom 29. auf den 30. März 1891, als ein Großbrand (ausgelöst durch eine Gaslaterne) das Gebäude einäscherte; nur die Fassade blieb teilweise stehen. Ein Bürgerausschuss unter Ferdinand Habermehl organisierte sofort den Wiederaufbau, finanziert durch Spenden und Kredite.
Neorenaissance-Rathaus (1895–1945)
Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Mai 1893, die feierliche Einweihung am 29. Mai 1895 nach Plänen des Stadtbaumeisters Alfons Kern: ein prächtiger Neorenaissance-Bau mit 45 m hohem Turm, Fresken und goldenen Verzierungen als Symbol der wilhelminischen Ära.
1911 kam ein Erweiterungsbau an der Karl-Friedrich-Straße 2 hinzu – mit Bürgersaal und Amtsräumen. Das Gebäude beherbergte Ratssitzungen, Hochzeiten und städtische Ämter.
Am 23. Februar 1945 zerstörte der Luftangriff das Hauptgebäude (etwa 80 % Schaden). Der Erweiterungsbau überlebte torsohaft und wurde später restauriert.
Nachkriegszeit (1945–1973)
In der Nachkriegszeit diente ein Provisorium im Osterfeld-Kasernengebäude der Verwaltung. Debatten über den Standort – Marktplatz oder neues Zentrum – endeten 1967 mit der Entscheidung für einen Neubau.
Als Zwischenlösung entstand das Technische Rathaus (1955–1957), das später für die Bebauung Innenstadt Ost abgerissen wurde. Der torsohafte Erweiterungsbau von 1911 blieb als Nebengebäude („Altes Rathaus“) erhalten.
Neues Rathaus (1973–heute)
Grundsteinlegung am 18. Oktober 1969, Einweihung am 7. Juli 1973: Der Brutalismus-Bau des Architekten Kurt Göppert (Bauvolumen rund 25 Mio. DM) umfasst 10 Stockwerke mit etwa 400 Arbeitsplätzen, Glasfassade, Skulpturen von HAP Grieshaber und Wandgestaltung.
Seit 2005 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. 2023 wurde das 50-jährige Jubiläum mit Ausstellung, Publikation („50 Jahre Neues Rathaus“) und Bürgerfest begangen. Heute beherbergt es Bürgermeisteramt, Ratssaal und Bürgerzentrum.
Das Alte Rathaus (Erweiterungsbau von 1911, erneuert von Wenzel+Wenzel) dient als Veranstaltungsort und verbindet architektonisch und funktional Alt und Neu.